Heureka: Mein Fairphone hat Android, ist google-frei und 'works  like a charm'! :-)

Es ist immer ein besonderer Moment, wenn man die Haupt-SIM in den Schacht eines Smartphones schiebt:

Ab jetzt ist es mein tagtäglicher, ausschließlicher Begleiter - mein 'primo puppy ', würden die Italiener sagen. *lol*

 

Besondere Freude diesmal: Ich besitze ab sofort ein Fairphone (2. Generation), das mit dem quell-offenen 'Fairphone Open OS' läuft und - most important - dabei völlig entgoogelt ist.

 

Was ist das genau?

Nun... Fairphone bietet "ab Werk" ein leicht modifiziertes Betriebssystem á la Android 5.1 an - das 'Fairphone OS'.

Nachteil: Man hat alles von Google mit im Rucksack, was auf einem "normalen" Android-Handy auch drauf ist.

Alternativ dazu bietet Fairphone aber auch an, das Betriebssystem zu wechseln: Zu einem googlefreien, quelloffenen System, das eine große Entwicklergemeinde ständig weiterentwickelt.

Vorteil: Keinerlei Verbindung zur Datenkrake Google und jede Menge alternative Möglichkeiten für's Smartphone.

 

Was musste ich tun?

Nun - erst einmal wurde das Fairphone gerootet - das erlaubt mir Zugriffe auf 'das Innerste' im Betriebssystem und die Installation von anderen Softwarequellen. Derer gibt es viele - der gemeinhin bekannte "Google Play Store" ist bei weitem nicht die einzige Möglichkeit, sich Apps runterzuladen.

Entscheidender Nachteil beim Playstore:
Viele Apps benötigen Dienste von Google: Die Google Play Dienste sind als App auf jedem Android-Smartphone fix vorinstalliert und eng mit dem Play Store verknüpft. Diese sind die Schnittstelle zu den Google-Diensten sowie zu den Hardware-Funktionen des Android-Gerätes. Auch werden über sie - surprise! surprise! - Nutzerdaten weitergereicht.

Hat man jetzt diese Google Play Dienste nicht am Handy, so funktionieren viele Apps nicht. Eigentlich ist das Googlephone nicht wirklich benutzbar.

Wieviele 'gebundene' Apps das in der Praxis wirklich sind, habe ich mit großem Erstaunen erkennen müssen.

Fazit: Ein Handy mit einem "normalen" Android Betriebssystem liefert dem Datenkraken Google in allen erdenklichen Situationen Informationen über den Benutzer. Unglaublich, wieviel/wieoft das ist.

Das wollte ich ändern.

Bis ich nun einen Großteil meiner liebgewonnen Apps auch auf einem google-befreiten Smartphone verwenden konnte waren allerdings ein paar Stunden Knifflerei notwendig.

Ich habe mich da ganz an die Anleitung im Fairphone-Forum gehalten, Frameworks und Module runtergeladen und mich halt ein bisserl ummanandgespielt. ;-)

Immer das Ziel vor Augen, daß ich es schaffen will völlig googlefrei ein nahezu 100%iges User-Feeling wie bei Android zu bekommen. (Meiner Seel': Hätte ich schon die Möglichkeit, das mir wesentlich 'sympathischere' Jolla Sailfish OS auf dem Fairphone zu installieren, hätte ich mir diesen Umweg erspart. Aber da hapert's noch an diversen Lizenzrechten und Kompatibilitäten. Naja, ich kann ja warten und hab ja noch ein zweites Fairphone 'für dann'. *LOL*)

Heureka! ich hab's geschafft.

Naja, zwei meiner Apps waren auch mit vorgetäuschten Google-Play-Diensten nicht zu überzeugen. (Aber 'Qando' für die Wiener Linien hab ich überlisten können, zum Beispiel. *g*)

Aber auch wenn's ned funkt: Das ist mir jetzt nicht mehr wirklich wichtig. Überhaupt: Diese App-Hysterie verstehe ich ja ohnehin immer weniger. Will ich *unbedingt* eine Banküberweisung machen und ich kann (wie jetzt) die starre 'George-App' der Erstebank nicht verwenden - na, so a Drama!  Dann gehe ich halt auf die website und lege mir dafür ein Lesezeichen auf den Startbildschirm.  So what? :-)

Was viel, viel wichtiger ist:

Ich bin jetzt stolzer 'Superuser', habe Zugriff auf - zum Beispiel - die oberste Statuszeile des Startbildschirms (da sehe ich jetzt die Auslastung des CPUs und mit einem süßen kleinen Icon den Mondstand, so siaß! *g*) und kann mit einer eigenen Firewall genau festlegen, welche Apps was  dürfen.

 

Man kann sich gar nicht vorstellen, wie viele Menschen (nicht nur im Fairphone Forum) sich mit diesem Thema beschäftigen und wunderbar brauchbare Hilfestellung geben. Datenbewußtsein wird immer mehr, merke ich.

 

Und: Wieviele Apps es gibt, die 'open source' sind und wo die Entwicklergemeinde mit Herzblut daran arbeitet, sie auf einem freien Smartphone verwenden zu können. Für ein gespendetes Bier über paypal. *g*

Toll, sowas! :)

 

Doppelte Freude.

Ich bin jetzt aus zweierlei Gründen happy, wenn ich mein rotes Smartphone in die Hand nehm':

  • Erstens ist es das einzige Telefon auf der Welt, das unter fairen Bedingungen in jedem Glied der Lieferantenkette gebaut wird - keine Sklaverei á la Foxconn und kein blutverschmiertes Gold/Lithium/Coltan/Cobalt - you name it!
  • Zweitens habe ich ein Werkzeug in der Hand, mit dem ich allein  die Kontrolle habe, welche Daten ich hergebe.

Zugegebenermaßen: Verwende ich weiterhin WhatsApp oder Facebook, ist diese Behauptung nicht 100%ig stringent.

Aber dessen bin ich mir schon bewusst. Überwiegend  bin ich aber Herr über mein Smartphone - und das ist einfach ein saugeiles Gefühl.

 

Und eins natürlich auch:

Dass ich  das schaffen würde mit dem neuen Betriebssystem und den 'fake gapps', den 'chinesischen' Anleitungen des xda-Forums, der Freischaltung des Frameworks mit seinen ganzen Modulen, dem Herumhirschen auf der 'Terminal'-Ebene meines Fairphones... das hätte ich nicht geglaubt. :-)

Es hätte ja auch ordentlich in die Hose gehen können.

 

*GROSSE FAIRPHONE-OPEN-OS-FREUDE HERRSCHT!*

 

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Kommentare: 2
  • #1

    ossi1967 (Freitag, 10 Februar 2017 16:07)

    Tja. Da merkt man dann, wie verlogen das Gerede von wegen "Android ist ein Open Source Betriebssystem" etc. ist. Schmarrn ist es das. Irgendwann wars das mal, ja, aber aus der Zeit sind wenige Teile übrig geblieben. Und es geht gar nicht nur die Frage quelloffen vs. proprietär, nein, viel schlimmer: Es geht darum, daß all diese wunderschönen neuen Betriebssystem-Teile aus der Google Play API natürlich nur mit einem Google Account funktionieren und daß sie nur von Hardwareherstellern ausgeliefert werden dürfen, die einen entsprechenden Vertrag mit Google haben.

    Bei Jollla ist die Situation ja exakt die gleiche: Ja, es gibt Android-Kompatibilität aus der "offiziellen" Ebene, also ohne Google Play API. Das heißt aber: Kein MyTaxi, Uber oder sonstige derartige Apps, weils keine Einbindung von Google Maps gibt; Keine Vorbestellung bei McDonalds, weil die Zahlungsfunktion nicht funktioniert; usw. usf.

    Ja, man kann tricksen und die Play-Services illegal nachinstallieren, aber: Dann hat man ja erst recht wieder das, was man nicht haben will: Ein „vergoogeltes“ Telefon.

    Zu sehen, wie viele Programme trotz installiertem Android nicht funktionieren, ist ein durchaus erhellendes Erlebnis.

  • #2

    Fairphone-Wolfi (Freitag, 10 Februar 2017 18:13)

    Merhaba, Ossi! :-)

    Ja, erhellend finde ich jetzt angenehm positiv formuliert, obgleich: Es ist im Grund genommen erschreckend. Jeder installiert die Apps halt, nimmt die diktatorisch auf's Aug gedrückten API Dienste und das aufgezwungene Google-Konto mit all den Nebenerscheinungen einfach hin. Sogar mein Computer-Fuzzi in der Firma meinte unlängst: 'Na, wuarscht! Solln's dersticken in der Datenflut!'. Eigentlich unglaublich.

    Natürlich hätte ich auch die Möglichkeit gehabt, diese Google Dienste 'um der Funktionsfähigkeit der geknechteten Apps wegen' nachzuinstallieren ('Open GAPPS') - das habe ich natürlich *nicht* getan. Denn - wie Du richtig sagst: Dann hätte ich nix anderes als ein Standard Googlephon.

    Was diese Frameworks und Module allerdings machen: Sie simulieren das Vorhandensein der Google Location Services, zum Beispiel. Da gibt's so Module wie "Fake Locations" und so was... mit Hilfe derer bekam ich einige Apps zum Laufen, die komplett ohne Installation von Google Services auskommen. (Kudos to Urs vom Forum! *g*)

    Was allerdings definitiv nicht geht:
    Bezahlte Apps, wie zum Beispiel meinen geliebten Italienisch-Offlinetranslator, krieg ich ausschießlich über den Google-Store. Wie pervers: Ich schrieb Pons an und fragte, ob ich - weil registrierter Premium-User mit Konto bei Pons (!) - eventuell die APK direkt von Ihnen haben könnte, wenn notwendig halt nochmals mit Bezahlung. Doch mir wurde mitgeteilt, dass ausschließlich Google über seinen Store die Premium-Versionen verkaufen kann. Is des ned oarg? Die volle Knechtschaft. Dann halt ned. Hab jetzt eine ziemlich gute App von einem unabhängigen Entwickler auf dem Aptoide-Store gefunden und ihm halt ein Bier dafür spendiert ;-)

    Was die Apps angeht, bin ich eh schon viel gelassener geworden: Viele Anwendungen funken auf der web-Oberfläche auch ned schlecht... vor allem, wenn die Firmen responsiv (so heißt das glaub ich) programmieren und erkannt wird, daß ich auf einem Smartphone daherkomm'. Da muss ich nicht immer eine App 'für haben - da geht das auch mit Lesezeichen am Desktop. :-)